Mein Opa bedeutet mir sehr viel. Menschen bedeuten mir verdammt wenig bis gar nichts, aber mein Opa gehört zu dem kleinen Kreis menschlicher Lebewesen, welche mir sehr viel bedeuten. Er ist schon lange Zeit dement und meine Betreuerin erklärte mir, es sei normal, wenn er mit der Zeit ausfallender werden würde. Öfter kleinere/größere Wutausbrüche bekommen würde.
Anfangs freute mich diese Entwicklung, da es mir das Gefühl gab, er könne sich endlich einmal durchsetzen. Da er weiß, wieviel er mir bedeutet und ich schon lange Zeit (eigentlich immer) die Einzige bin, die wirklich (mit dem Herzen) für ihn da ist, hielt sich sein dement verändertes Verhalten gegen mich zurück. Eigentlich hatte er mich in seiner dementen Zeit (davor auch niemals) noch nicht einmal leicht angefahren.
Meine Betreuerin erklärte mir, es sei normal, wenn er mit der Zeit auch mir gegenüber ausfallender werden würde. Er würde es nicht böse meinen, es wäre die Krankheit.
Ich weiß, sagte ich. Eigentlich weiß ich es auch, aber der lang gefürchtete Tag kam. Es beginnt. Es war nur ganz leicht, es war nicht böse gemeint, in keinster Weise. Wenige Minuten danach lachten wir wieder zusammen, umarmten uns, aber dennoch. Ich bin sehr sensibel, sehr empfindsam und verletzlich. Und ich kann es mir 10.000mal wiederholt sagen, es ist die Demenz, nicht das Herz meines Opas, welches spricht. Dennoch verletzt es mich (zutiefst). Mein geliebter Opa.
Nicht falsch verstehen. Ich nehme es ihm absolut nicht böse und ich bin mir bewusst darüber, daß meine Empfindung an mir (uns) und einem viel zu sensiblen Teil meines (unseren) Inneren liegt. Ich habe einfach Angst, den Kontakt zu seinem Herzen zu verlieren.
Heute erreichte mich unerwartet ein Brief meiner allerliebsten L. Noch
ist er nicht geöffnet. Dazu bedarf es einen besonderen Moment, welcher
sich Heute nicht ergab.
Mein Wunsch war es einst, dauerhaft (für immer) im Untergewicht zu leben (zu sterben). Nie wieder Fressen zu können, da die Angst vor den Kalorien zu groß geworden ist. Fressen zu können, da man danach alles wieder auskotzen kann. Solch eine Sucht nach Sport zu entwickeln, daß auch die letzte Kalorie verbrannt wird. Mein Wunsch war es einst, in der Essstörung einzusinken, um niemals wieder aufzutauchen.
Mein Wunsch erfüllte sich. Aber es ist alles andere als die erhoffte Erfüllung.
Es wird niemals richtig sein. Will ich leben, lebe ich (spiele es mir vielleicht auch nur vor). Ertrage es nicht und flüchte. Will ich flüchten, flüchte ich (spiele es mir definitiv nicht nur vor). Ertrage es nicht und lebe. Und flüchte. Und töte. Und lebe. Und flüchte. Weil ich niemals ankommen werde, weil es niemals richtig sein wird.